DialogP – die Hamburgische Bürgerschaft zu Gast in der Sophie-Barat-Schule

Sophie-Barat-Schule, Altbau, erster Stock, 08:30 Uhr am vorletzten Schultag vor den Sommerferien. Überall dieselben Fragen: Abschluss-Spiel, Abschluss-Film, Abschluss-Frühstück, Abschluss-… ? Überall? In den Klassen 9b und 9d liegt eine gespannte Erwartung in der Luft – 50 Schülerinnen und Schülern sitzen sechs Abgeordnete der Hamburgischen Bürgerschaft gegenüber und noch weiß keiner so recht, was er von dem jeweils anderen zu erwarten hat.

Diese etwas andere letzte Politikstunde vor den Ferien ermöglichte das Projekt dialogP (eine Initiative des Kumulus e.V.) in Kooperation mit der Hamburgischen Bürgerschaft. DialogP versteht sich als handlungsorientierter Ansatz: Im Mittelpunkt stehen Begegnungen mit Bürgerschaftsabgeordneten. Über diesen konkreten und praktischen Ansatz der Begegnung und des Dialoges will das Projekt eine Plattform für Kommunikation schaffen, denn: Nur durch gegenseitiges Verständnis entstehen neue Bilder in den Köpfen: die Jugend erhält einen Einblick in die Welt der Politik und die Politik einen Einblick in die Welt der Jugend.

Die Schülermoderatoren ließen ihre Gäste Sören Schumacher (SPD), Philipp Heißner (CDU), René Gögge (Bündnis90/DIE GRÜNEN), Christiane Schneider (DIE LINKE), Jens Peter Meyer (FDP) und Dr. Alexander Wolf (AfD) zunächst ins kalte Wasser springen: Los ging es mit einem Satzanfang, den die Politikerinnen und Politiker ganz spontan beenden mussten, keine Zeit, um sich vorher eine Antwort zurechtzulegen! Bei einem kurzen Quiz mit Fragen aus Politik und Lifestyle traten die Abgeordneten, unterstützt von jeweils einem Schüler, gegeneinander an.

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Die Stimmung war deutlich aufgelockert, als es in die Diskussionsrunden ging. Die Schülerinnen und Schüler der Klassen 9b und 9d hatten im Vorfeld sechs Themen formuliert, die gemeinsam mit den Abgeordneten im „Speed-Dating-Prinzip“ diskutiert wurden: „Soll die Bundeswehr in Syrien eingesetzt werden?“, „Soll in Hamburg eine Wahlpflicht eingeführt werden?“, „Sollen Steuern erhöht werden, um Geflüchtete leichter und schneller zu integrieren?“, „Soll die NPD verboten werden?“, „Soll auch auf Bundesebene das Wahlrecht ab 16 eingeführt werden?“, „Soll der Bau neuer Moscheen in Hamburg eingeschränkt werden?“Jeweils acht Minuten hatten die Abgeordneten Zeit mit einer Gruppe über das von dieser vorbereitete Thema ins Gespräch zu kommen. Obwohl eigentlich nur als stiller Beobachter gekommen, nahm in der Anfangsphase auch die Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft, Frau Veit, an den Thementischen Platz.

Das diese acht (bzw. sechs mal acht) Minuten Zeit für einen kurzen, aber intensiven Austausch boten, beschreiben die Schülerinnen und Schüler so:

  • „An unserem Thementisch haben wir das Thema Wahlpflicht behandelt. Die meisten Politiker waren gegen die Wahlpflicht, da diese nach ihrer Ansicht die Grundprinzipien einer freien Wahl verletzen würde. Außerdem sei eine Wahlpflicht nicht die Lösung, um das Interesse an Politik zu stärken. Herr Heißner (CDU) hingegen war für eine Wahlpflicht, dabei betonte er allerdings, dass dies die Mehrheit seiner Partei dies nicht so sehe. Seiner Meinung nach könne eine Wahlpflicht tatsächlich zu einer höheren Wahlbeteiligung und somit auch zu einem größeren Interesse an Politik führen, da die Leute ja gezwungen seien, sich zu informieren. Uns hat die Veranstaltung allen sehr gefallen, weil wir zum ersten Mal Politiker so nah erleben konnten. Interessant war auch wie die einzelnen Abgeordneten argumentiert haben, da sie teilweise fast die gleiche Position vertraten, diese jedoch mit teilweise ganz unterschiedlichen Argumenten begründet haben. Für uns alle war es eine sehr schöne Erfahrung, die wir nur weiterempfehlen können.“
  • „Wir haben uns mit dem Wahlrecht ab 16 auf Bundesebene auseinandergesetzt. Uns wurde dabei die Gelegenheit geboten, mit den Abgeordneten verschiedener Parteien Meinungen zu diesem Thema auszutauschen. Die meisten Abgeordneten waren, genau wie unsere Gruppe aus Schülern, für ein solches Wahlrecht. Die beiden Vertreter der CDU und der AfD waren allerdings strikt dagegen, beide aus ähnlichen Beweggründen: Jugendliche seien noch nicht reif genug und es fehle ihnen an nötigem Wissen, um solche schwerwiegenden Entscheidungen zu treffen, so zum Beispiel der Politiker der CDU. Außerdem betonte er, dass das Wahlrecht an die Volljährigkeit gebunden sein solle, damit Pflichten und Rechte ausgeglichen seien. Der Vertreter der SPD dagegen meinte, Jugendlichen werde viel zu wenig zugetraut. Zusätzlich schrieb er unsere besten Argumente mit, da er der Meinung war, Jugendliche hätten oft besonders gute Argumente zu diesem Thema. Es hat uns sehr beeindruckt, dass die Politiker uns sehr oft mit ihren Argumenten überzeugen konnten und auch auf unsere Gegenargumente immer etwas schlagkräftiges zu erwidern hatten.“

Im Anschluss an die Diskussionsrunde formulierten die einzelnen Schülergruppen jeweils ein kurzes Fazit an dessen Ende die Abgeordneten sowie auch alle Schülerinnen und Schüler sich mit Hilfe von pro- und contra-Karten zu den diskutierten Themen positionieren konnten.

M. Siemer