Erfolgreicher Auftakt des Sophie-Forums

Erfolgreicher Auftakt des Sophie-Forums

„Hallo und herzlich willkommen zu unserem Panel:Leben schenken? Die moralische Frage nach der Organspende – mit dieser Begrüßung wurde das erste Projekt des neu ins Leben gerufenen Sophie-Forums auf der Bühne der Mehrzweckhalle der Sophie-Barat-Schule eröffnet. Organisiert wurde das Panel von Schülerinnen und Schülern des Profils „Mensch und Verantwortung“ (Religion–PGW) des Abiturjahrgangs 2026 mit Unterstützung ihrer Tutorin Frau Klinge.

Das Panel markierte zugleich den Auftakt des neuen Veranstaltungsformats Sophie-Forum. Bereits vor mehreren Jahren existierte an der Sophie-Barat-Schule ein vergleichbares Forum, das nun in neuer Form wiederbelebt werden soll. Ziel des Sophie-Forums ist es, schülerorganisierte Veranstaltungen wie Panels oder Podiumsdiskussionen zu ermöglichen, die Schülerinnen und Schüler zur Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen anregen.

Inhaltlich widmete sich das erste Panel dem Thema Organspende. Zuhörerinnen und Zuhörer waren der gesamte Abiturjahrgang 2026 sowie das Profil „Mensch und Verantwortung“ des Abiturjahrgangs 2027. Um unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen, wurden fünf Gäste mit Expertise aus den Bereichen Medizin, Theologie und Religionswissenschaften eingeladen. Zu Gast waren der Imam Mustafa Cetinkaya, der Landesrabbiner Shlomo Bistritzky sowie Frau Dr. Carola Roloff, die die religiösen Sichtweisen des Islams, des Judentums und des Buddhismus beleuchteten. Auch der Journalist und Filmemacher Ingo Thöne nahm am Panel teil und verband religiöse Fragestellungen mit einer wissenschaftlichen Betrachtung. Ergänzt wurde das Panel durch den ehemaligen Arzt Dr. Andreas Borkamp, der seine medizinische Expertise zum Thema Organspende einbrachte.

Zu Beginn des Panels wurde ein kurzer Ausschnitt aus dem Film „Der Streit um den Hirntod. Organspende auf dem Prüfstand“ von Ingo Thöne gezeigt. Dieser thematisierte sowohl die Definition des Hirntods als auch die Erfahrungen von Organempfängern. In seinem anschließenden persönlichen Statement wies Herr Thöne darauf hin, dass für eine Organspende der Hirntod des Spenders festgestellt werden müsse, diese Definition jedoch „nicht unumstritten“ sei. Zudem machte er auf die Herausforderungen aufmerksam, mit denen Organempfänger nach einer Transplantation konfrontiert seien. Für ihn gelte grundsätzlich, dass „der Mensch niemals Mittel zum Zweck“ sein dürfe.

Dr. Andreas Borkamp, Mitglied der Ethik-Kommission des Erzbistums Hamburg, schilderte eindrücklich den Sterbeprozess und betonte, dass der Tod „ein Prozess sei, der mehr als 48 Stunden dauere“. Darüber hinaus thematisierte er unterschiedliche politische Regelungen zur Organspende in verschiedenen Ländern und kritisierte die Widerspruchslösung, die er als „Erpressung und nicht als Spende“ bezeichnete.

Aus buddhistischer Perspektive sei Organspende laut Dr. Carola Roloff grundsätzlich erlaubt. Sie betonte jedoch, dass es nicht „den einen Buddhismus“ gebe und daher unterschiedliche Auffassungen existierten. Problematisch könne insbesondere der häufig sehr schnelle Ablauf der Organentnahme sein, da im Buddhismus ein „friedlicher Übergang“ von großer Bedeutung sei. Zudem spiele die Motivation eine zentrale Rolle: Eine Zustimmung zur Organspende aus finanziellen Gründen sei nicht mit buddhistischen Werten vereinbar.

Ähnlich argumentierte auch Imam Mustafa Cetinkaya, der Organspende im Islam als „fortlaufende Wohltat“ beschrieb und sie grundsätzlich erlaubte, finanzielle Entschädigungen jedoch strikt ablehnte. Auch Landesrabbiner Shlomo Bistritzky schloss sich diesen Aussagen an: Das Judentum verbiete Organspende nicht grundsätzlich, setze jedoch ethische Grenzen.

Im Anschluss an die persönlichen Statements folgte eine lebhafte Diskussion, die von Schülerinnen und Schülern des Profils moderiert wurde. Auch Fragen aus dem Publikum bereicherten den Austausch. Diskutiert wurden ethische Aspekte wie der würdige Umgang mit Verstorbenen, medizinische Fragen zum Hirntod sowie spirituelle Überlegungen zur Veränderung des „Lebens nach dem Tod“ durch Organspende. Neben objektiven und theoretischen Ansätzen flossen auch persönliche Perspektiven ein. Besonders eindrücklich war der Erfahrungsbericht von Dr. Andreas Borkamp, dessen Sohn aufgrund einer Lungenerkrankung in jungen Jahren selbst eine Spenderlunge erhalten hatte.

Zum Abschluss des Panels betonte Dr. Borkamp in einer einprägsamen Aussage: „Ich bin selbst Verfechter der Organspende. Trotzdem muss man sich bewusst sein: Als Organspender stirbt man nicht zu Hause im Kreis der Familie, sondern im Krankenhaus.“

Mit diesem gelungenen Auftakt ist das Sophie-Forum erfolgreich gestartet. Die Schülerinnen und Schüler freuen sich bereits auf weitere spannende und bereichernde Veranstaltungen.

 Lotta Limburg, S 4